AIDS-Hilfe Neumünster e.V.

 

Spezial

Zum WAT 2002

Joy Denalane, Soul-Sängerin, Berlin: "Ausgrenzung macht krank!"

"Ich bin Tochter eines Südafrikaners und einer Heidelbergerin, aufgewachsen bin ich in Berlin. Meine Eltern haben meinen Geschwistern und mir beigebracht, selbstbewusst mit unserer Hautfarbe umzugehen. Aber in der Grundschule habe ich dann erkennen müssen, was es heißt, anders auszusehen: Mir wurde gesagt, ich hätte hässliche Haare und einen Entenarsch, den Rest könnt ihr euch denken. Heute sind es Bemerkungen wie: ´Wo haben Sie denn so gut Deutsch gelernt?´ Dann sage ich: ´Ich bin Deutsche!´

Manchmal fühle ich mich in meiner eigenen Stadt nicht sicher, ich spüre diese schrägen Blicke. Das bilde ich mir nicht ein: Es gibt sie, diese alltägliche Ausgrenzung, auch wenn ich vielleicht manchmal überreagiere, weil ich zu viele schlechte Erfahrungen gemacht habe. Das ist ein ziemlich ungesundes Gefühl – ja, Ausgrenzung macht krank.

Mit Ausgrenzung setze ich mich auch auf meiner CD auseinander – und mit meiner südafrikanischen Herkunft. Die Menschen in Südafrika wurden über Jahrzehnte durch die Apartheiddiskriminiert. Die meisten leben deswegen bis heute in unvorstellbarer Armut. Und jetzt haben sie dazu unter AIDS zu leiden. Darum geht’s in meinem Stück "Im Ghetto von Soweto". Soweto steht stellvertretend für alle Orte auf der Welt, wo Menschen mit schlechteren Chancen leben. Dort hat niemand Geld für AIDS-Medikamente, und für die Pharma-Industrie sind arme Menschen eben kein Markt. Auch das ist Ausgrenzung, die krank macht.

Als ich das letzte Mal in Südafrika war, habe ich diese Anstecker entdeckt. AIDS-Schleifen aus Perlen gearbeitet – superschön. Hergestellt werden sie in Kapstadt von einem Projekt namens Wola Nani, das Menschen mit HIV unterstützt. In Südafrika ist jeder fünfte Erwachsene infiziert. Fünf Millionen Menschen sind HIV-positiv – davon eine Viertelmillion Kinder –, und sie werden oft vollkommen allein gelassen, ganz ohne Hilfe. Wola Nani bietet Aufklärung und Beratung an, unterstützt Betroffene im Krankenhaus und zu Hause, betreut Kinder und zeigt Frauen, wie man mit Kunsthandwerk ein wenig Geld verdienen kann – auch wenn man geschwächt ist. Die Frauen haben in Südafrika die größte Last zu tragen. Sie stehen in der Gesellschaft ohnehin ganz unten, obwohl gerade sie die Familien zusammenhalten.

Meine CD habe ich "Mamani" genannt, das bedeutet Mutter. Die Wola Nanis, selbst überwiegend Frauen, haben diesen Titel in Perlenarbeit aufgezogen. Wenn man ein Album rausbringt, gibt’s ja sonst meistens T-Shirts und anderen Schnickschnack mit dem Titel drauf als Werbegeschenk und für Fans. Ich wollte lieber etwas richtig Schönes, das auch etwas aussagt und gleichzeitig anderen hilft.

Als Künstlerin habe ich eine Verantwortung, denn durch Öffentlichkeit kann man etwas bewirken. Der Schlüssel liegt im Bewusstsein: Der Ursprung von Diskriminierung ist oft die Angst vor dem Fremden. Zum Beispiel vor HIV. Wenn du die Angst verinnerlichst, führt das zu Intoleranz. Wenn du sie in den Griff bekommst, dann geht alles in die richtige Richtung: Interesse, Toleranz und Akzeptanz."

Joy Denalane, 29, lebt in Berlin. Ihr Album "Mamani" kam kurz nach Erscheinen im Juni 2002 auf Platz 8 der deutschen Charts, der Titel "Mit dir" (mit der Band "Freundeskreis") schaffte 1999 Platz 9. Aktuelle Single: "Was auch immer". "Im Ghetto von Soweto" wird im Februar 2003 ausgekoppelt.

Mehr Infos hierzu findet Ihr auf der Homepage der DAH!

© S.Hollenbach 2001-2003