Holsteinischer Courier, 14.06.2007 von Gabrielle Vaquette:

Aids: Neue Diskussion als Lösung aus der Krise
Vortrag von Dr. Michael Wright in der Gerisch-Galerie

Neumünster/vaq – Die Alarmsignale sind unübersehbar: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen steigt. Was sind die Ursachen? Gibt es Anti-Strategien? Unter der provokativen Fragestellung „Entzieht sich die schwule Community der Prävention?“ gab Referent Dr. Michael Wright vom Berliner Wissenschaftszentrum im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 15-jährigen Bestehen der Aids-Hilfe Neumünster am Dienstagabend in der Gerisch-Galerie interessante Denkanstöße.

„Die treibende Kraft der Prävention war Todesangst“, stellte Wright im Rückblick auf die Anfänge der HIV-Epidemie fest. Doch mit besseren Behandlungsmöglichkeiten und der gesellschaftlichen „Normalisierung“ von Aids sei eine „Erosion des Safer Sex“ festzustellen, das präventive Verhalten bröckele. Dabei sei die Suche nach Sündenböcken oder der moralische Zeigefinger völlig verkehrt. Denn Befragungen ergaben, dass riskantes Verhalten insgesamt zunehme, nicht aber bei bestimmten Gruppen wie zum Beispiel HIV-Positiven oder durch spezielles Verhalten („Barebacking“).

Verzicht – im Sinne des Safer Sex auf ungeschützten Geschlechtsverkehr – sei für Menschen generell problematisch. Außerdem verhielten sich Menschen auch anderweitig riskant, obwohl sie von den Gefahren wüssten – rauchen, im Auto nicht anschnallen, ungesunde Ernährung. „Eine neue Diskussion nicht allein über Sex, sondern über die damit verbundenen Emotionen, Umgangsformen und Erwartungen muss stattfinden“, so Wright.

Torsten Kniep, Vorsitzender der Aids-Hilfe, stimmte aus den Erfahrungen der Praxis zu: „Menschen dürfen nicht allein über Sexualität definiert werden, wie das oft beim Thema Aids zu passieren droht. Die Prävention muss sachlich sein, sonst tritt eine Verweigerungshaltung ein.“

Gabriele Vaquette

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