Holsteinischer Courier, 26.05.2007 von Gabrielle Vaquette:

Leben mit dem HI-Virus
Kay Bohlen ist HIV-positiv. Der 38-Jährige erzählt seine Geschichte.
Neumünster – Die Diagnose Aids traf ihn vor acht Jahren wie ein Schock. Kay Bohlen hatte ungeschützten Sex und wurde nicht nur HIV-positiv, sondern vier Jahre später auch krebskrank. Über sein Leben mit Aids las der 38-Jährige schonungslos offen am Donnerstagabend in der Stadtbücherei. Unter dem Titel „Aber ich darf sprechen“ – seine Interpretation der Buchstaben A-I-D-S – redete er über Chemotherapie, Angst vor dem Tod und Lebensmut.

„Ohne Führerschein und nicht angeschnallt gegen den Baum geknallt“: So nennt Bohlen den ungeschützten Sex mit einem Partner, der nicht wusste, dass er HIV-positiv war. 1999 kam die Diagnose Aids. Schwul, HIV-positiv, krebskrank – dies beutet oft einen sozialen Abstieg. Doch dank vieler Unterstützer sei dies nicht der Fall.

Er begreife seine Krankheit als Herausforderung. „Mein Leben ist eine fortwährende Suche, nach einer beruflichen Aufgabe, nach Liebe, nach mir, nach dem Sinn des Lebens.“

2003 erkrankte Bohlen an der aggressiven Krebsart „Non-Hodgkin-Lymphon“. Fünf Monate Chemotherapie, die Haare fielen aus, Magen- und Schlafstörungen, Krämpfe – „ich sah aus wie ein wachsüberzogener Albino.“ Er habe drei Ziele gehabt: „Heiraten, einen Lebenspartnerschaftsvertrag und die Chemotherapie überleben.“ Er überlebte, aber jetzt sei sein Leben völlig anders: Erwerbsunfähig, bis an sein Lebensende Medikamente, Tests. Doch er habe viele Menschen getroffen, die gelernt hätten, mit ihrer Angst zu leben. „Ich setze mir kleine Ziele, will das Lachen nicht verlernen, versuche, nicht täglich an mein vorzeitiges Ableben zu denken.“ Respekt zollt er auch seiner Familie, die ihn getragen habe. Heute lebt der langjährige Musical-Darsteller in Dortmund.

Auch das Thema Prävention kam zur Sprache. Aids wieder ins Bewusstsein zu rücken, sei das Ziel seiner Lesungen. Bohlen (www.kaybohlen.de) prangerte die Sorglosigkeit der heutigen Generation auf den „Bareback-Partys“ an, bei der ein HIV-Infizierter wissentlich unter den Gästen sei: „Da schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen.“

Er machte allen Betroffenen Mut: „Man muss sich informieren, durchhalten, mit anderen sprechen. Das gilt für HIV, Diabetes, Krebs oder sonst was.“

Gabriele Vaquette

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