Holsteinischer Courier, 16.05.2007 von Gabrielle Vaquette:
Aids ist unsichtbar geworden“
Fachmann referiert in der Gerisch-Galerie über Immunschwäche
Neumünster/vaq
– Die Alarmsignale sind unübersehbar: „Safer Sex“ wird vor allem unter Jüngeren
weniger praktiziert, die Zahl der Neudiagnosen von HIV steigt. Auch wenn Aids
immer noch tödlich ist, habe sich das Bild der Immunschwächekrankheit
grundlegend gewandelt, machte Werner Bock deutlich. „Die Bilder des Sterbens
sind verschwunden, es entsteht der Eindruck, man nimmt Tabletten und lebt ein
normales Leben“, sagte der Mitarbeiter der Aids-Hilfe Berlin, der bei der
Veranstaltungsreihe zum 15-jährigen Bestehen der Aids-Hilfe Neumünster in der
Gerisch-Galerie über „Aids im Wandel der Zeiten – neue Herausforderungen der
HIV-Prävention“ referierte.
„Früher waren wir Lebensretter, jetzt Spielverderber“, formulierte es Bock
provokativ. Denn als vor über 20 Jahren Tausende elend starben, sei Aids ein
„kollektives Trauma“ gewesen. Doch 1996 kam der große Wandel: Die Behandlung mit
der „Kombinationstherapie“ – Medikamente, die zwar Nebenwirkungen haben, aber
die Erkrankten überleben lassen. „Die Krankheit ist unsichtbar geworden.“ Die
Prävention stehe vor neuen Herausforderungen. „Kondome verteilen ist nicht die
Zukunft, auch wenn die Botschaft nach wie vor richtig ist.“ Die Zahlen sind
eindeutig: 2700 HIV-Neudiagnosen registrierte das Robert-Koch-Institut in
Deutschland 2006, seit mehreren Jahren steigen die Zahlen. 56000 Infizierte
leben zurzeit in der Bundesrepublik, davon 47000 Männer. Die Prävention müsse
neue Wege einschlagen. Erfolgreich sei die Online-beratung der Aidshilfe
(www.aidshilfe-beratung.de). Dort beantworten 30 Fachkräfte anonym Fragen zur
Prävention. 3000 Anfragen gab es 2006; 200000 Nutzer besuchten die Homepage.
„Das ist ein zielgruppengenaues Angebot, das vor allem von Männern und
Jugendlichen genutzt wird“, so Bock. Auch müsse die Prävention mehr Service in
Form von Tests anbieten und die Zielgruppen vor Ort aufsuchen.
In Hinsicht auf die Aktionen vor Ort lobte er Torsten Kniep, den Vorsitzenden
der Neumünsteraner Aids-Hilfe, und sein Team: „Toll, was ihr so auf die Beine
stellt.“
Fenster schliessen